Rosa Aspalter: „Vegane Ernährung unterstützt die Krebsbekämpfung“

 In Interviews

Eine vegane Ernährung kann vor Krebs schützen, zeigt der US-Mediziner T. Colin Campbell in seiner „China Study“. Die Ernährungsmedizinerin Rosa Aspalter hat diese positiven Effekte am eigenen Leib erfahren: Nach der Krebsdiagnose hat sie – begleitend zur Chemotherapie – auf rein pflanzliche Kost umgestellt und damit große Erfolge erzielt. Jetzt hat sie eine Studie ins Leben gerufen, um die positiven Effekte veganer Ernährung auf Krebspatienten genauer zu untersuchen. Mehr zu ihren persönlichen Erfahrungen und den Zielen der Studie erzählt sie im Interview mit beevegan.de.

Welche Effekte hat eine vegane Ernährung auf das Wachstum von Krebszellen?

Eine vegane Ernährung hat in mehrfacher Hinsicht positive Auswirkungen. Sie ist – wenn es sich nicht um veganen „Junk“ handelt – schon einmal sehr zuckerarm und vermeidet damit hohe Werte von Insulin und anderen wachstumsfördernden Hormonen. Das weitgehende Fehlen von Zucker wirkt sich ebenfalls positiv aus. Auch wenn man den Krebs nicht, wie so viele es meinen, mit einer zuckerfreien Ernährung aushungern kann, denn der Körper braucht nun mal einen bestimmten Blutzuckerwert, um überleben zu können, so sind doch die Krebszellen von Glucose als primären Nährstofflieferanten abhängig und man muss ja seinen Krebs nicht geradezu damit füttern. So ist „zuckerfrei“ oder zumindest „zuckerarm“ sicher einmal eine gute Idee und wirkt sich auch positiv auf viele weitere Stoffwechselvorgänge aus.

Vegane Kost ist meist auch kalorienärmer. Dies wirkt sich positiv auf die Gewichtsregulierung aus. Wir haben fälschlicherweise das klischeehafte Bild vom ausgezehrten Krebspatienten vor uns. Natürlich trifft das – leider – viele Patienten im Endstadium. Aber zwei Drittel der Krebspatienten sind übergewichtig oder sogar adipös (fettleibig). Und sie profitieren nachweislich von einer Gewichtsnormalisierung!

Vegane Ernährung bietet auch so viel mehr an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen, welche erwiesenermaßen antioxidativ und anticancerogen wirken. Von all dem ist in tierischen Produkten nichts zu finden.

Der Hauptgrund aber, der für vegane Ernährung während einer Krebserkrankung spricht, ist, dass tierisches Eiewiß offenbar für das überschießende Zellwachstum (= Krebswachstum) benötigt werden. Das hat C.T. Campbell ganz eindrucksvoll in seinen Studien mit dem Aflatoxin, einem Schimmelpilzgift, nachgewiesen und die etwa 20 Publikationen dazu in seiner China-Study zusammen gefasst. Als ich davon las, dachte ich mir: Moment mal, das ist der erste Ansatz, der zumindest praktikabel ist! Und wenn die Annahmen auch noch stimmen, dann ist doch klar, was ich bei einer Krebserkrankung meiden muss!

Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie als Krebspatientin mit veganer Ernährung gemacht?

Das war viel, viel erfolgreicher, als ich jemals erwartet habe! Zu dem Zeitpunkt, als ich die Studien mit dem tierischen Eiweiß las, wusste ich noch nicht, was bei mir los war. Ich dachte, mein Krebs (Darmkrebs) war besiegt. Doch die Informationen reichten, um mich von einem echten Fleischesser zu einem Veganer konvertieren zu lassen. Etwa zwei Monate später war plötzlich mein Tumormarker erhöht (das ist ein Laborwert, der zur Verlaufskontrolle bei Tumorerkrankungen verwendet wird). Das sah zunächst sehr zynisch aus. Aber ich dachte: Gut, da waren offenbar Tumorzellen – und die sind jetzt auf Grund des Eiweißentzuges zerfallen!

Es startete eine intensive medizinische Abklärungsphase – und Ende August stand dann fest: Der Tumor hatte so weit gestreut, dass nicht mal mehr operiert werden konnte. In einem solchen Moment zieht es einem den Boden unter den Füssen weg! Man empfahl mir eine Chemotherapie. Aber als Ärztin wusste ich auch, dass in einem solchen Stadium die Aussicht nicht gerade rosig war. Aber ich überlegte mir Folgendes: Wenn es stimmt, dass das tierische Eiweiß für das Krebswachstum wichtig ist, und ich lasse das weg, dann blockiere ich immerhin schon einmal das weitere Wachstum. Und wenn ich dann auch noch meine Chemo einhalte, kommt diese auch leichter zurande. Der Tumor kann ja dank der Chemo nicht mehr so einfach „davon wachsen“, wie dies in solchen Stadien häufig der Fall ist.

Was aber dann passiert ist, hat mich selbst mehr als überrascht: Erstens begann der Tumormarker, sich einzupendeln und sogar zu sinken – und das, noch bevor jegliche Therapie begonnen hatte! Es gab also keine Veränderung außer meiner Ernährungsumstellung! Und wenn man weiß, dass normalerweise in solchen Stadien der Tumormarker einfach explodiert, einfach nur mehr in die Höhe schießt, dann weiß man eine solche Wende schon zu schätzen. Es war auch nicht ein einzelner Laborbefund. Ich habe in dieser Zeit den Tumormarker alle paar Wochen bestimmen lassen!

Ende September 2014 begann dann die Chemo. Das ist natürlich kein Honigschlecken, aber ich habe sie überraschend gut vertragen. Nun ist auch die „große“ Chemo überstanden, man will aber noch eine „Erhaltungstherapie“ anschließen. Mein Tumormarker ist mittlerweile auf nicht mehr messbare Werte gesunken und gerade vergangene Woche habe ich das Ergebnis einer hoch sensitiven Untersuchung erhalten: Es ist nichts mehr vom Tumor zu sehen! Es ist tatsächlich so, als wäre ich neu geboren worden! Ich kann es selbst noch nicht ganz fassen!

Ein tolles Ergebnis! Warum haben Sie die Studie initiiert?

Die Studien, von denen Campbell berichtet, sind sehr gut gemacht und in hochrangigen wissenschaftlichen Journalen publiziert. Da fehlt also nichts. Es fehlen aber dazu Studien an Krebspatienten! Das ist jetzt der entscheidende Schritt, der gemacht werden sollte!

Ich ahnte aber bereits, dass die Onkologen und Krebsforscher große Scheu haben, das Thema aufzugreifen, deshalb habe ich es als eine Initiative, welche von den Patienten selbst ausgeht, konzipiert. Und ich dachte: Was mich dabei interessiert, sind die Remissionsraten, also die tatsächlichen Heilungen. Und darüber geben die routinemäßig durchgeführten Untersuchungen bei Krebspatienten Auskunft. Ich brauche also „nur“ die Patienten zu bitten, diese Daten zu übermitteln. Natürlich musste ich auch alle üblichen Wege einhalten und es müssen bestimmte wissenschaftliche Standards einfach eingehalten werden. Ansonsten würde sich ja der ganze Aufwand ja gar nicht lohnen.

Ich bin aber damals, im Herbst 2014, als ich die Studie plante, vor der Situation gestanden, in der ich nicht wusste, wie viel Zeit mir noch bleibt. Daher konnte ich auch nur ein wenig süßsauer lächeln, wenn Projektmanager mir gesagt haben, dass dieses Projekt wohl noch bis zum Herbst benötigt, um online zu gehen! Ich hab mich auf das Wesentliche und das Allernotwendigste beschränkt und zugesehen, nämlich auf das Studienprotokoll und die Studienzulassung, auf Datenschutz und darauf, dass die Website online geht.

Können Sie schon erste Ergebnisse verraten?

Nein, wir haben gerade begonnen, die Studienteilnehmer aufzunehmen. Das wird bis Dezember 2015 möglich sein. Jeder Teilnehmer ist für 6 Monate an der Studie beteiligt. D.h. mit der Auswertung kann im Juli 2016 begonnen werden. Dennoch werden bestimmte Informationen bereits früher erhältlich sein. Etwa, wie es den Teilnehmern mit der Studie, mit einem eventuellen Ernährungswechsel geht.

Es wird aber auch Sicherheitscheks in den ersten drei Monaten geben. Falls sich abzeichnet, dass eine Ernährungsgruppe sich sehr viel schlechter entwickelt als andere, wird damit an die Öffentlichkeit gegangen und die Studie abgebrochen oder das Setting verändert.

Welche Ernährung empfehlen Sie den Krebspatienten? 

Möglichst zuckerfrei, das habe ich bereits erwähnt. Weißmehl ist nicht unbedingt hochwertig und sollte besser durch Mehle mit höherem Kornanteil oder noch besser durch Vollkornmehle ersetzt werden. Fertiggerichte enthalten sehr viel Salz, Fette, Konservierungsstoffe und bieten nährstoffmäßig wenig. Je mehr die Ernährung auf pflanzlicher und möglichst wenig verarbeiteter Basis steht, desto besser!

Weitere Informationen zur Studie „Essen und Krebs“

Mehr zu der Studie findet ihr auf der Website von Rosa Aspalter unter www.essenundkrebs.net und auf der Facebook-Seite des Projekts. Im folgenden Video schildert sie noch einmal die Ziele der Studie vor der Kamera:

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