Wie Hühner Eier legen

 In Blog, Warum vegan

Wie leben Legehennen in Massentierhaltung? Stammen Eier aus Freilandhaltung wirklich von glücklichen Hühnern? Hier erfährst du alles über Kükenaufzucht und Hühnerhaltung.

Wie hat sich das Image des Huhns doch gewandelt! Während unsere Vorfahren den scheuen Waldvogel verehrten und bewunderten, so wird er heute als dumm beschimpft und billig in Massen „produziert“, um in Kuchen, Suppen und Nuggets ein trostloses Ende zu finden – als Legehenne oder Masthuhn.

Die Ursprungsrasse der heutigen Hühner, das Bankivahuhn, lebte zwischen Thailand und Indien am Rande des Dschungels in kleinen Gruppen von bis zu 20 Tieren. Das soziale Leben war durch die Rang- bzw. Hackordnung klar geregelt, meist gab der Hahn den Ton an. Tagsüber pickte und scharrte die kleine Herde nach Futter, badete ihr Gefieder im Sand und verständigte sich in 30 verschiedenen Gackerlauten. Abends kehrten die Hühner zu ihren festen Schlafplätzen in den Bäumen zurück, um sich vor Raubtieren zu verstecken.

Etwa 6000 Jahre vor Christi Geburt ließen sich einige Hühner vom Menschen zähmen. Von den Ägyptern wurden die Vögel als Kulttiere verehrt, da sie den Sonnenkönig ankündigen sollten. Erst in der Römerzeit verbreiteten sie sich auch in Europa, damit nahm die Züchtung zu Zwecken der Eier- und Fleischproduktion hierzulande ihren Anfang.

 

Die Haltung von Legehennen

Seitdem haben sich die Lebensumstände der Hühner drastisch verändert. Die auf Hochleistung getrimmten Tiere fristen dicht zusammengepfercht in riesigen Ställen ihr kurzes Dasein. Der Großteil der Legehennen (64%) lebt in Bodenhaltung, wo bis zu 6000 Hühner pro Stall erlaubt sind. Großbetriebe sind die Regel. In der Bodenhaltung lebt mittlerweile jede dritte Henne in einem Betrieb mit mindestens 200.000 Artgenossinnen, berichtet die Verbraucherorganisation Foodwatch. In der ökologischen Haltung stagniert diese Entwicklung – mit im Schnitt 13.500 Hennen je Betrieb allerdings auf hohem Niveau. Nur noch jedes zehnte Bio-Huhn teilt seinen Stall mit weniger als 3.000 Artgenossinnen.

Für die Tiere bedeutet dies einen enormen Stress, denn Hühner können sich nur 30 bis 100 Artgenossen merken (die Zahl schwankt je nach Quelle) und deshalb in den Ställen keine, für sie so wichtige, Rangordnung bilden. Kämpfe, Federpicken und sogar Kannibalismus sind deshalb an der Tagesordnung; die meisten Tiere haben kahle oder wunde Stellen im Gefieder auf, zeigen mehrere Studien (hier und hier).

Durch den direkten Kontakt mit dem Kot und den vielen Artgenossen entsteht zudem eine hohe Staub-, Keim- und Ammoniakbelastung, was die empfindlichen Atemwege schädigt und Krankheiten begünstigt, die sich rasend schnell von Huhn zu Huhn verbreiten. Auch der Darm und der stark beanspruchte Legeapparat sind anfällig gegenüber Infektionen oder Parasitenbefall.

Frische Luft gibt es nur in der Freilandhaltung, wo die Hühner für mehrere Stunden täglich draußen laufen, scharren und picken können, so die Auslauffläche artgerecht gestaltet ist und Zuflucht vor Greifvögeln bietet. Doch auch hier sind die Gruppen nach Hühnermaßstäben zu groß und gesundheitliche Probleme allgegenwärtig.

Haltungsfläche von Hühnern © Heinrich Böll Stiftung CC-BY-SA

Haltungsfläche von Hühnern © Heinrich Böll Stiftung CC-BY-SA
© Heinrich Böll Stiftung CC-BY-SA

Am schlimmsten trifft es die rund 11% der Legehennen, die in Kleingruppenhaltung, dem Nachfolger der Käfighaltung, aufwachsen. Zwar ist hier das Stallklima deutlich angenehmer, weil die Gruppengröße auf 60 Tiere beschränkt ist und der Kot durch Gitterböden fällt, dafür können die Tiere in der Enge auf den harten Gittern ohne Einstreu ihr arteigenes Verhalten kaum ausleben. Jede Henne hat nur 800 Quadratzentimeter zur Verfügung – das entspricht der Größe eines DIN-A4-Blatts plus etwa 5 EC-Karten. Weil sich die Tiere kaum bewegen können, entstehen schwere gesundheitliche Schäden wie Fettlebern, Fußballengeschwüre und Knochenschwächen. Und auch in dieser Haltungsform treten Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus häufig auf.

 

Amputation des Tastorgans bei Legehennen

Um die Tiere daran zu hindern, sich gegenseitig zu zerfleischen, werden ihnen kurz nach dem Schlüpfen die Schnäbel gestutzt. Mit dem Schneiden von Finger- oder Fußnägeln ist das nicht zu vergleichen; der Schnabel ist das wichtigste Tastorgan des Huhns und mit empfindlichen Nerven durchzogen, mit der sich die Temperatur, Härte und Essbarkeit erfühlen lassen – entsprechend schmerzhaft ist die Prozedur für die Tiere. Zudem ist der Schnabel das primäre Werkzeug der Tiere und die Spitze für das Zupfen, Ziehen, selektive Fressen und die Gefiederpflege erforderlich. Tiermedizinisch stellt das Schnabelkürzen eine Amputation dar und ist laut Tierschutzgesetz verboten. In der Praxis aber wird nahezu allen Legehennen der Schnabel gestutzt, mit Ausnahme der Bio-Hennen.

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Bitte nicht abschneiden: Mit diesem Motiv hat die Albert-Schweitzer-Stiftung gegen das Schnabelkürzen bei Küken protestiert – mit Erfolg.

In Deutschland soll das Schnabelkürzen ab 2017 in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gesetzlich verboten werden. Auch der Verein KAT, dem der Großteil der deutschen Legehennenbetriebe (außer Betriebe mit Kleingruppenhaltung) angehört, will seinen Mitgliedern dann das Kupieren des Schnabels verbieten, sodass voraussichtlich die meisten Betriebe das Schnabelkürzen einstellen werden. Der eigentliche Grund für die Praxis, die Verletzungen der Tiere untereinander, bleibt aber als Problem bestehen.

 

Geht es Bio-Hühnern besser?

Den Bio-Legehennen bleibt das Schnabelkürzen erspart, auch können sie von allen Hühnern noch am ehesten ihre Grundbedürfnisse ausleben. Sie haben mehr Platz und ganzjährig Zugang ins Freie, Sitzstangen sowie Möglichkeiten zum Scharren und Sandbaden.

Doch auch in der ökologischen Tierhaltung gibt es laut Recherchen von Foodwatch viele Missstände. Gesundheitlich gehe es den Tieren oft nicht viel besser als denen aus konventioneller Haltung. Problematisch sei vor allem die Betriebsgröße: „Verbände haben zugelassen, dass bis zu 3000 Tiere in einer Herde gehalten werden können. Theoretisch können unbegrenzt viele Herden in einem Stallgebäude oder Betrieb gehalten werden. Dieses ‚Massen-Bio‘ bedient zwar die große Nachfrage nach Bioeiern, hat aber große Managementprobleme. Die Kontrolle der Haltungsbedingungen durch unabhängige Prüfer ist oft unzureichend.“ Über die Hälfte aller Öko-Legehennen lebt demnach in einem Betrieb mit 10.000 bis 30.000, jede vierte sogar in einem mit 30.000 bis 50.000 Hennenplätzen. Diese Betriebsgrößen haben laut Foodwatch zur Folge, dass die Hennen ihren Freilauf nicht mehr richtig nutzen können, weil er für sie kaum erreichbar ist.

Wenige große Unternehmen, die eng miteinander verflochten und im Besitz weniger Familien sind, dominieren den Markt und bedienen meist sämtliche Haltungsformen gleichzeitig. Für Verbraucher bedeutet das: Beim Kauf von Bio- oder Freilandeiern unterstützt man oft auch Betreiber von Käfig- oder Bodenhaltungsanlagen.

Bio-Legehennen neigen darüber hinaus oft noch stärker als konventionell aufgezogene Tiere zu Federpicken und Kannibalismus. Ursache dafür ist offenbar eine tendenzielle Unterversorgung mit essenziellen Aminosäuren, die das gängige Öko-Futter nicht in ausreichender Menge enthält.

 

Auf Legeleistung getrimmte Hühner

Moderne Kükenaufzucht

Moderne Kükenaufzucht

Unabhängig von der Haltungsform sind alle Hühner auf Profit und Leistung getrimmt. Statt der ursprünglich 20 Eier legen sie inzwischen durchschnittlich 300 Eier pro Jahr. Diese hohe und von den Jahreszeiten unabhängige Legeleistung wird erreicht durch das Zusammenspiel von künstlichen Beleuchtungsprogrammen und der extremen Überzüchtung der Tiere, berichtet die Albert Schweitzer Stiftung.

Für die Tiere hat diese Praxis schwere gesundheitliche Folgen: Da kann es leicht passieren, dass ein Ei im Eileiter stecken bleibt und das Huhn daran stirbt. Eileiter entzünden sich oder Knochen brechen, weil sie unter Mineralstoffmangel und Osteoporose leiden. In einer von Foodwatch zitierten Studie lag beispielsweise der Anteil der Hennen mit Brustbeinschäden in der Boden-Volierenhaltung bei 41%, in der Käfighaltung sogar bei 52 %.

Nach gut einem Jahr ist die Legeleistung der Tiere erschöpft. Natürlicherweise würden sie jetzt eine Mauser einlegen, alte Federn abstoßen und die Eierproduktion für kurze Zeit einstellen. Für die meisten Bauern ist das nicht rentabel, deshalb werden die Tiere dann als Suppenhühner ausgemustert.

Die Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch (ARIWA) hat die Zustände in einem Video dokumentiert:

 

 

50 Millionen Küken sind Abfallprodukte

Die männlichen Küken trifft ein anderes Schicksal. Weil sie keine Eier legen und zu wenig Fleisch ansetzen würden, werden sie nach dem Schlüpfen geschreddert oder vergast. Eintagsküken werden sie in der Branche lapidar genannt. Jährlich werden in Deutschland so 50 Millionen Küken getötet. Auch Bio-Küken. Im Dezember 2013 hatte Nordrhein-Westfalen diese Praxis als erstes Bundesland untersagt, Hessen folgte ein Jahr später. Der Richterspruch aus NRW wurde aber inzwischen vom Verwaltungsgericht als unzulässig eingestuft: Nur eine Änderung des Tierschutzgesetzes würde dieses Tötungsverbot erlauben.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU hat angekündigt, das sinnlose Töten bis 2017 beenden zu wollen. Zwei Methoden könnten dabei ins Spiel kommen:

  • Das eierlegende Masthuhn: Statt der derzeit üblichen zwei verschiedenen Zuchtlinien wird das Zweinutzungshuhn ins Spiel gebracht, das sowohl Eier legen als auch für die Mast geeignet sein soll. Dann könnten die männlichen Küken als Masthähnchen dienen. Laut Recherchen des ZDF glauben die großen Geflügelkonzerne nicht so recht, dass sich das Zweinutzungshuhn durchsetzen wird, höchstens in der Bio-Branche.
  • Die Aussortierung vor dem Schlüpfen: Industrie und Politik setzen vor allem auf die Geschlechtserkennung im Ei. Dabei pieken Maschinen winzige Löcher in die Schalen und ermitteln mittels Hormontest die männlichen Tiere noch vor dem Schlupf. Diese würden dann aussortiert und als Tierfutter verwertet. Die Universität Leipzig hat erste Tests im März 2015 präsentiert. In wenigen Jahren sollen in Brütereien die ersten Maschinen arbeiten.

Zusammenfassung Legehennenhaltung:

  • Unabhängig von der Haltungsform können Legehennen ihr arteigenes Verhalten meist nicht richtig ausleben.
  • Weil zu viele Hühner in einem Stall gehalten werden, neigen diese zu Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus.
  • Durch die hohe Staub-, Keim- und Ammoniakbelastung und die Zucht auf eine extrem hohe Legeleistung sind Krankheiten allgegenwärtig.
  • Mit Ausnahme der Bio-Hühner werden allen Legehennen die Schnäbel gestützt – ein schmerzhafter Eingriff und eine Amputation des wichtigsten Tastorgans. Diese Praxis soll ab 2017 eingestellt werden, allerdings bleiben die Ursachen für das Federpicken bestehen.
  • Auch die Biohaltung ist in der Regel auf Masse angelegt: Gesundheitliche Schäden und Verhaltensstörungen sind entsprechend häufig zu beobachten.
  • Beim Kauf von Bio- oder Freilandeiern unterstützt man oft auch Betreiber von Käfig- oder Bodenhaltungsanlagen.
  • Männliche Küken werden kurz nach dem Schlüpfen vergast oder zerschreddert. Jährlich werden in Deutschland so 50 Millionen Küken getötet, auch Bio-Küken. Diese Praxis soll 2017 beendet werden.

 

Quellen und weitere Informationen:

Titelbild: © Jonas Ingold, Flickr: Legehennen, CC BY-SA 2.0

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Comments
  • Linda Felkel
    Antworten

    Danke, Danke für diese Artikel und die Büchertipps!

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